Kindgerecht bauen – Wenn das Haus für alle Bewohner 
lebenswert sein soll

Wer ein Eigenheim baut, versucht viele, wenn nicht sogar alle, Aspekte zu bedenken. Doch die meisten Erwachsenen denken vor allem an die eigenen Bedürfnisse. Für die Kinder werden zwar Kinderzimmer und auch eine Spielecke im Garten geplant, doch der Rest des Hauses ist vollständig auf die Erwachsenen ausgerichtet. Das muss nicht sein. Immer mehr Bauherren und auch Architekten versuchen die kindliche Perspektive zu übernehmen und deren Leben und Erleben stärker in die Bauplanung zu integrieren. Hierfür gibt es mehrere Ansätze.

06.12.2022
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Die Sicherheit der Kinder muss immer an erster Stelle stehen

Den Wohnbereich für Kinder und vor allem für Kleinkinder sicher zu gestalten ist nicht immer einfach. Es gibt einfach zu viele Punkte, die sehr viele Eltern einfach nicht auf dem Schirm haben. Vor allem dann, wenn das Kind noch nicht auf der Welt oder sehr jung ist. Doch der Entdeckerdrang der Kinder wird schneller zu einem Problem, als man sich das vorstellen kann. Wichtig ist also die verschiedenen Maßnahmen zu treffen, damit sich die Kinder im Haushalt nicht selbst gefährden. Dazu gibt es verschiedene Lösungen zur Absicherung von Haus und Wohnung. Zusätzlich können Bauherren allerdings auch frühzeitig aktiv werden und bereits beim Bau bestimmte Dinge beachten. Steckdosen müssen zum Beispiel nicht an zugänglichen Orten auf Bodenhöhe angebracht werden. Wer bereits die Aufteilung der Möbelstücke und der Räume vor Augen hat, kann also nur dort Steckdosen auf Bodenniveau planen, wo flächendeckend Möbelstücke vor diesen Steckdosen stehen werden. Es sind häufig die kleinen Dinge, welche einen erheblichen Unterschied machen können.

Barrierefreie Badezimmer - nicht nur für Senioren eine Bereicherung

Wer seinen Kindern bereits frühzeitig eine hohe Autonomie bieten möchte, muss leider häufig tiefer in die Tasche greifen. Denn ein barrierefreies oder barrierearmes Badezimmer mit höhenverstellbaren Möbeln ist teurer als ein normales Badezimmer. Dafür profitieren Sie insofern davon, dass die Kinder viele Erledigungen der eigenen Körperhygiene schneller selbstständig durchführen können. Kinder müssen sich also nicht an das Badezimmer der Großen anpassen, sondern das Badezimmer passt sich an ihre Größe an. Das ist ein neuer Ansatz, welcher allerdings nicht nur den Kindern im Haushalt entgegenkommt. Auch ältere Besucher profitieren von einer solchen Lösung. Und man muss bedenken, dass man selbst als Elternteil nicht jünger wird. Unfälle, Erkrankungen oder auch das Alter können ein barrierefreies Badezimmer notwendig werden lassen. Wer dann bereits ein passendes Badezimmer hat, profitiert ab der ersten Minute von den Vorteilen. Allein schon eine höhenverstellbare Toilette und ein höhenverstellbarer Waschtisch sind Dinge, die Kinder mit leuchtenden Augen wahrnehmen und welche den Kindern helfen autonomer zu werden.

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Warum Fußbodenheizungen Kindern sehr entgegenkommen

Während Erwachsene Menschen im Haushalt vor allem die allgemeine Wärme in den kalten Monaten schätzen, profitieren Kinder in den jüngeren Jahren viel stärker von den direkten Effekten einer Fußbodenheizung. Denn Kinder sitzen oder liegen viel häufiger auf dem Boden und können die Wärme somit direkt aufnehmen. Vor allem bei einem Eigenheim, welches nicht unterkellert ist, kann eine gut eingestellte Fußbodenheizung den Wohnkomfort zusätzlich steigern. Von einer solchen Flächenheizung profitieren somit Kinder und Erwachsene gleichermaßen, wobei die Kinder in den jüngeren Jahren besondere Vorteile genießen. Kombiniert man in den entsprechenden Räumen die Heizung noch mit einem schönen Bodenbelag, beispielsweise Kork, wird der Boden zu einem echten Erlebnisraum, auf welchem man mit viel Freude spielen kann. Und auch Erwachsene, welche mit den Kindern spielen, werden diese Vorteile schnell am eigenen Leib erfahren und genießen.

Dekoration und mehr auf Augenhöhe - Kinderperspektiven mitdenken

In den meisten Häusern und Wohnungen gibt es baulich bedingte Bereiche, welche sich besonders für Dekorationen eignen. Simse sind beispielsweise optimal, um dort Bilder oder andere Dinge zur Schau zu stellen. Das sieht aus Sicht eines Erwachsenen auch gut und ansprechend aus. Doch was, wenn man die Perspektive verändert? Sich einfach einmal auf allen Vieren durch die eigene Wohnung zu bewegen kann helfen, eine ganz neue Perspektive für die Innenraumgestaltung zu bekommen. Kinder sehen von den meisten oben beschriebenen Dingen aufgrund ihrer Größe überhaupt nichts. Daher sollte man überlegen, ob wirklich alle Bilder an den Wänden so hoch hängen müssen. Gibt es Dekorationen, gerne auch kindgerechte, welche sich auch auf dem Boden gut machen würden? Wer also die eigene Perspektive verändert und sich in die Welt der Kinder versetzt, kann die Atmosphäre der eigenen Wohnung oder des eigenen Hauses ganz neu erleben. Dieses Wissen bei der Bauplanung mit zu berücksichtigen ist nicht einfach, im Zusammenspiel mit dem Architekten allerdings umsetzbar.

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Erlebnisraum Eigenheim: Kreative Ideen integrieren

Kinder sehen die Welt mit anderen Augen und haben aufgrund ihrer Größe auch einen anderen Zugang zu vielen Bereichen. Ein Beispiel ist der Raum unter Treppen. Während dieser für Erwachsene oftmals zu klein ist und daher häufig als Lagerplatz genutzt wird, kann sich hier für Kinder ein ganz neuer Raum auftun. Welche, für Erwachsene schlecht nutzbaren Ecken es gibt, hängt immer von der Bauplanung ab. Ein Mini-Raum für das Ansehen von Büchern oder für die Hörspiele bietet den Kindern mehr Rückzugsmöglichkeiten und beschränkt diese nicht nur auf das eigene Kinderzimmer. Denn wie wir Erwachsenen auch, benötigen Kinder Abwechslung und lieben es sich zu verändern. Wenn man diese Aspekte bei der Bauplanung mitberücksichtigt und somit deutlich offener plant, können Kinder in den verschiedenen Altersstufen gleichermaßen profitieren. Besonders wagemutige Eltern planen beispielsweise nicht nur eine Treppe im Haus mit ein, sondern zusätzlich auch direkt eine Rutsche. Solche Lösungen sind zwar noch immer selten, für die Kinder und auch für so manchen Besucher sind diese kreativen Optionen allerdings ein echtes Highlight.

Kinder werden größer – Veränderte Bedürfnisse beachten

Wichtig ist bei der Planung etwas Flexibilität zu beachten. Denn wenn auch die Kinder oder das Kind zu Baubeginn noch winzig sind, wachsen Kinder schneller, als man sich das als Elternteil vorstellen kann. Damit einher geht dann auch, dass sich die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder verändern. Man sollte bei der Bauplanung also nicht nur das aktuelle Alter der Kinder berücksichtigen, sondern eben auch diese möglichen Veränderungen im Blick behalten. Ein Beispiel ist die Aufteilung der Räume. Während man bei kleinen Kindern froh ist, wenn das Kinderzimmer in unmittelbarer Nähe des Elternschlafzimmers liegt, sieht das mit steigendem Alter anders aus. Spätestens mit Eintritt in die Pubertät wünscht sich so manches Elternteil deutlich mehr Abstand zwischen den Räumen. Gibt es also mehrere Räume mit ähnlicher Größe und Aufteilung können die Zimmer im Verlaufe der Zeit unterschiedlich genutzt werden. Dann zieht das Arbeitszimmer neben das Kinderzimmer, während das Elternschlafzimmer in das ehemalige Arbeitszimmer zieht.

Fazit: Bei der Bauplanung an die Kinder denken

Wer sich früh genug damit beschäftigt, dass Kinder nicht einfach nur das Zuhause der Eltern teilen, sondern dass Kinder auch Ansprüche und Anforderungen an ein Heim stellen können, kann sich besser orientieren. Eine gute und vor allem den Kindern entsprechende Bauplanung ist in der heutigen Zeit noch immer nicht üblich, wird aber immer wichtiger. Vor allem bietet solch eine Lösung weitere Vorteile. Denn viele Dinge, die Kindern guttun und hilfreich für diese sind, kommen auch älteren Menschen entgegen. Man schafft somit also auch Vorteile für das eigene Alter, wenn das Haus entsprechend entworfen wird. Das Thema Barrierefreiheit spielt dementsprechend eine wichtige Rolle sowohl für Kinder als auch für ältere Personen. Grundsätzlich ist es wichtig gemeinsam mit dem zuständigen Architekten die verschiedenen Szenarien durchzuspielen und sich gemeinsam um passende Lösungen zu bemühen. Nicht jeder Architekt ist willens und in der Lage, dies gemeinsam mit den Bauherren umzusetzen. Das gilt es immer zu bedenken.

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Monika Läufle

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